
Yachtelektrik vor der Chartersaison: die Checkliste
Auf einer Charteryacht trifft ein Fehler nicht nur den Komfort, sondern die Woche der Gäste und den Ruf des Betreibers. Unsere Elektrikprüfungen vor der Saison und beim Gästewechsel.

Die Elektrikprüfung vor der Chartersaison verlangt eine andere Disziplin als die Saisoneröffnung eines privat genutzten Bootes. Auf einer Charteryacht verbringen Gäste eine ganze Woche an Bord; Klimaanlage, Wassermacher, Pantry und Kabinenverbraucher laufen den ganzen Tag gemeinsam, und ein Fehler trifft nicht nur den Komfort, sondern den Ruf des Betreibers. In diesem Beitrag zeigen wir die Elektrikprüfungen, die wir vor der Saison und beim Gästewechsel für Motoryachten, Gulets und Segelyachten im Charter ab Bodrum durchführen.
Warum Elektrik auf einer Charteryacht kritischer ist
Privat kann ein Fehler bis morgen warten; in einer Charterwoche wartet das Programm der Gäste nicht. Auch das Nutzungsprofil ist anders:
- Klimaanlagen laufen viele Stunden, oft alle gleichzeitig.
- Der Wassermacher muss jeden Tag zuverlässig produzieren.
- In den Kabinen werden mehr Geräte geladen und mehr Steckdosen genutzt.
- Die Crew hat zwischen zwei Gästegruppen nur ein kurzes Zeitfenster.
Deshalb ergänzt die Chartervorbereitung die übliche Saisoneröffnung um Kapazität, Redundanz und schnelle Prüfroutinen. Charterboote ab Bodrum starten meist im späten Frühjahr und sind bis in den Herbst ausgelastet, mit wenigen freien Tagen für geplante Wartung; ein Großteil der Vorbereitung sollte daher vor der Saison erledigt sein, solange das Boot noch an Land oder leer in der Marina liegt. Die allgemeinen Schritte zur Saisoneröffnung finden Sie in unserer Checkliste Elektrik zur Saisoneröffnung.
Vor der Saison: Kapazität und Redundanz
Bevor die Saison beginnt, muss gemessen werden, ob das System die Charterlast wirklich trägt:
- Lastprofil: Reichen Generator und Landanschluss, wenn Klimaanlage, Wassermacher, Boiler und Pantry gleichzeitig laufen? Die Lastliste wird aus Messungen erstellt.
- Batteriebank: Ein Kapazitätstest wird durchgeführt und der Ah-Bedarf für die Nachtstunden ohne Generator berechnet.
- Ladequellen: Sind Wechselrichter/Ladegerät, Lichtmaschine und gegebenenfalls Solarmodule auf die Batteriechemie eingestellt?
- Generator: Die Wartung wird vor der Saison abgeschlossen; Seewasserimpeller, Filter und Riemen werden erneuert.
- Redundanz: Damit ein einzelner Fehler das Boot nicht stromlos macht, wird geprüft, ob die Starterbatterie getrennt ist und kritische Kreise (Bilge, Navigationslichter, UKW) unabhängig vom Hauptschalter versorgt werden können.
Gästekomfort: Klimaanlage, Wassermacher und Kabinen
Die meisten Gästebeschwerden kommen aus drei Systemen:
- Klimaanlage: Seewasserfilter, Pumpenimpeller und Luftfilter werden gereinigt, jedes Kabinengerät wird unter Last getestet. Details im Beitrag zur Wartung der Bootsklimaanlage.
- Wassermacher: Membranleistung, Vorfilter und Salzgehaltssensor werden geprüft und die Tagesproduktion mit der Gästezahl abgeglichen. Zur Membranpflege siehe unseren Beitrag zur Wartung der Wassermacher-Membran.
- Kabinen: Steckdosen und USB-Anschlüsse, Leselampen, WC-Pumpen und Lüfter werden einzeln getestet; lose Steckdosen und warme Verbindungen werden behoben.
Sicherheitskreise
Auf einer Charteryacht muss die Sicherheitsausrüstung jederzeit funktionieren:
- Bilgepumpen und Alarme: Jede Pumpe wird im Automatik- und Handbetrieb getestet; der Hochwasseralarm muss am Steuerstand hörbar sein. Details im Beitrag zu Bilgepumpen und Alarmsystemen.
- Navigations- und Ankerlichter: Jedes Licht wird auf Funktion und freien Sichtsektor geprüft; die Anforderungen stehen in Anlage I der COLREG.
- Landstrom und Fehlerstromschutz: Kabel, Stecker und Prüftaste werden kontrolliert.
- Rauch- und Gasmelder: werden getestet, Batterien erneuert.
- UKW und DSC: MMSI und GPS-Anbindung werden geprüft.
20-Minuten-Checkliste für den Gästewechsel
Eine kurze Routine, die die Crew zwischen zwei Gästegruppen abarbeitet, verhindert, dass Probleme mitten in der Woche auftauchen:
| System | Prüfung | Abnahmekriterium |
|---|---|---|
| Batteriebank | Ladezustand und Spannung am Monitor | Wert passt zur Chemie, erreicht Vollladung |
| Laden | Ladestrom an Landstrom oder Generator | Erwarteter Strom, keine Fehlercodes |
| Klimaanlage | Kühlung und Seewasseraustritt jeder Kabine | Normaler Durchfluss, kein Alarm |
| Wassermacher | Produktion, Druck und Salzgehalt | Werte passen zu früheren Aufzeichnungen |
| Bilge | Schwimmer anheben | Pumpe und Alarm funktionieren |
| Kabinen | Steckdosen, Leuchten, WC-Pumpe | Alles funktioniert, nichts wird warm |
| Lichter | Navigations- und Ankerlicht | Alle an |
| Protokoll | Alarmhistorie und Auffälligkeiten | Notiert, bei Bedarf an den Service gemeldet |
Crew-Einweisung
Selbst das am besten vorbereitete System macht Ärger, wenn die Crew es falsch bedient. Wir empfehlen zum Saisonstart eine kurze Einweisung mit Skipper und Crew:
- Wo Hauptschalter, Landstromeinspeisung und Not-Aus sitzen
- Die richtige Reihenfolge beim Umschalten zwischen Generator, Landstrom und Wechselrichter
- Klimaanlagen nacheinander statt alle gleichzeitig einschalten
- Den Wassermacher nicht in der Marina oder in trübem Wasser betreiben
- Wen man bei einem Alarm mit welchen Informationen anruft
Diese Einweisung verhindert, dass ein Bedienfehler in der Gästewoche zum Defekt wird, und sorgt dafür, dass kleine Probleme mit den richtigen Informationen beim Service ankommen.
Zwischenprüfung zur Saisonmitte
In einer vollen Chartersaison erleichtert eine halbtägige Prüfung im Juli oder Anfang August die zweite Saisonhälfte. Dabei werden Verbindungen unter Last mit der Wärmebildkamera geprüft, Generator- und Klimafilter erneuert, die Batteriekapazität erneut gemessen und die Wassermacherleistung mit den Werten vom Saisonbeginn verglichen.
Ersatzteile und Dokumentation
In einer Charterwoche kann ein fehlendes Teil aus einem einfachen Fehler ein tagelanges Problem machen. Wir empfehlen an Bord:
- Ersatz für jeden Sicherungstyp des Bootes
- Impeller für die Seewasserpumpen von Klimaanlage und Generator
- Vorfilterpatronen für den Wassermacher
- Kritische Relais und die meistgenutzten Leuchtmittel oder LED-Treiber
- Einige Kabelschuhe, Schrumpfschlauch und Kabelbinder
Ein aktueller Schaltplan, eine Sicherungsliste und die Gerätehandbücher an Bord beschleunigen die Arbeit von Crew und Service. Ist eine Fernüberwachung installiert, sollten Alarme sowohl an den Skipper als auch an den Betreiber gehen; die Möglichkeiten beschreiben wir im Beitrag zur Fernüberwachung des Bootes.
Gulets und große Charterboote
Auf Gulets und großen Charterbooten ähneln Generator-, Klima- und Pantrylasten meist denen einer Motoryacht, während lange Kabelwege und viele Kabinen die Fehlerstellen vervielfachen. Eine Prüfung Kabine für Kabine vor der Saison und eine stets aktuelle Stromkreisliste je Kabine sparen die ganze Saison über Zeit.
Chartervorbereitung mit Aslan Yacht
Von unserer Werkstatt in Turgutreis aus besuchen wir Marinas und Werften auf der Halbinsel Bodrum, messen vor der Saison Energie-, Klima-, Wassermacher- und Sicherheitskreise von Charterbooten und berichten unsere Befunde. Für geplante Prüfungen passend zu den Gästewechseln erreichen Sie uns über unsere Kontaktseite. Unseren Leistungsumfang zeigen die Seiten Yachtelektrik und Wassermacher.
Häufige Fragen
Unterscheidet sich die Elektrikprüfung einer Charteryacht von der normalen Saisoneröffnung?
Die Grundprüfungen sind gleich, doch auf einer Charteryacht sind die Lasten höher und dauerhaft; Klimaanlage, Wassermacher und die Verbraucher in den Gästekabinen laufen die ganze Woche gemeinsam. Kapazität, Redundanz und kurze Prüfungen zwischen den Gästen stehen deshalb im Vordergrund.
Was sollte beim Gästewechsel geprüft werden?
Batterie- und Ladezustand, Klimaanlage und Wassermacher, Bilgepumpen und Alarme, Steckdosen und Beleuchtung der Kabinen, Navigationslichter und – falls vorhanden – die Alarme der Fernüberwachung, anhand einer kurzen Liste.
Welche Ersatzteile gehören an Bord?
Ersatz für jeden Sicherungstyp an Bord, Impeller für Seewasserpumpen, Vorfilter für den Wassermacher, kritische Relais, etwas Kabelschuhe und Schrumpfschlauch sowie die meistgenutzten Leuchtmittel oder LED-Treiber sind ein guter Anfang.


