
Ankerwinde: Motor- und Steuerungsstörungen, Ursachen und Lösungen
Die Ankerwinde fällt meist genau dann aus, wenn man sie am meisten braucht. Wir zeigen die Prüfreihenfolge vom Solenoid bis zum Fußschalter.

Die Ankerwinde zieht von allen Anker- und Festmachereinrichtungen an Bord den höchsten Strom und trägt die größte mechanische Last – deshalb treten Störungen meist im ungünstigsten Moment auf, genau beim Ankerwerfen oder -aufholen. Der Großteil der Probleme liegt nicht im Motor selbst, sondern in den hochstromführenden Solenoiden, den Fußschaltern und der Versorgungsleitung. In diesem Beitrag beschreiben wir die häufigsten Störungen an Ankerwindenmotor und Steuerung – in der Reihenfolge, in der wir sie vor Ort prüfen.
Wie funktioniert das elektrische System einer Ankerwinde?
Eine elektrische Ankerwinde besteht typischerweise aus folgenden Komponenten:
- Versorgungsleitung: ein für hohe Ströme ausgelegtes, dickes Kabel von der Batteriebank zum Ankerwindenmotor, abgesichert durch eine Hauptsicherung bzw. einen Leistungsschalter.
- Solenoide (Schütze): zwei Leistungsrelais (rauf/runter), die das niederohmige Steuersignal in den hochstromführenden Motorkreis schalten.
- Steuerleitung: niederohmige Verkabelung vom Schalter im Steuerstand, von den Fußschaltern an Deck oder von einer Funkfernbedienung zu den Solenoiden.
- Motor: meist ein 12-V- oder 24-V-DC-Getriebemotor mit hohem Anlaufstrom, der die Kettennuss (Gypsy/Wildcat) dreht.
Wird die Ankerwinde betätigt, erregt der Fußschalter oder die Fernbedienung die Spule des jeweiligen Solenoids; die Kontakte im Inneren schließen, und hoher Strom fließt direkt von der Batteriebank zum Motor. Diese Trennung der beiden Kreise – niederohmige Steuerung und hochstromführende Leistung – ist der erste Ansatzpunkt bei der Fehlersuche: Ob ein Klicken zu hören ist oder nicht, zeigt bereits weitgehend, ob der Fehler auf der Steuer- oder der Leistungsseite liegt.
Häufige Störungen und mögliche Ursachen
| Symptom | Mögliche Ursache | Erste Prüfung |
|---|---|---|
| Ankerwinde läuft gar nicht, kein Geräusch | Hauptsicherung/Leistungsschalter ausgelöst, lose Batterieverbindung | Sicherung, Batteriepole, Hauptschalter |
| Solenoid klickt, Motor dreht nicht | Motorkabel gebrochen, Kohlebürsten verschlissen, Motor durchgebrannt | Spannungsmessung an den Motorklemmen |
| Kein Klicken hörbar | Steuerleitung unterbrochen, Fußschalter defekt, Solenoidspule durchgebrannt | Durchgangsprüfung am Fußschalter |
| Läuft nur in eine Richtung | Solenoid oder Steuerleitung dieser Richtung defekt | Kontakte des betroffenen Solenoids prüfen |
| Wird unter Last langsamer oder bleibt stehen | Unterspannung, Überhitzung, verschlissene Bürsten, zu dünnes Kabel | Spannungsmessung unter Last |
| Kette springt/rutscht an der Kettennuss | Kettennuss verschlissen oder falsche Kettengröße | Passung Kette/Kettennuss, mechanischer Verschleiß |
| Funktioniert nicht vom Steuerstand, aber an Deck | Schalter im Steuerstand oder zugehörige Verkabelung defekt | Durchgangsprüfung der betroffenen Leitung |
Solenoide: die häufigste Fehlerquelle
Solenoide sitzen an Deck und sind Feuchtigkeit, Salzwassernebel und Vibration ausgesetzt; deshalb oxidieren ihre Kontakte oder die Spule brennt mit der Zeit durch. Klickt ein Solenoid, dreht der Motor aber nicht, sind die Kontakte vermutlich oxidiert oder verklebt; ist gar kein Klicken zu hören, ist der Spulenkreis unterbrochen. Solenoide sind meist vergleichsweise günstig und leicht zu tauschen; im Zweifel kann ein direkter Austausch praktischer sein als eine lange Fehlersuche, die zugrundeliegende Feuchtigkeits- oder Korrosionsproblematik muss aber trotzdem behoben werden.
Kabelquerschnitt und Spannungsabfall
Der Ankerwindenmotor zieht besonders beim Anlaufen sehr hohe Ströme, je nach Modell etwa 80–250 A. Ist das Kabel von der Batteriebank zur Ankerwinde nicht ausreichend dimensioniert oder sind Verbindungen locker, liegt die tatsächlich am Motor ankommende Spannung deutlich unter der Batteriespannung; das verlangsamt die Ankerwinde unter Last oder verhindert den Betrieb ganz. Den passenden Kabelquerschnitt und die Spannungsabfallberechnung finden Sie in unserem Ratgeber zur Kabeldimensionierung. Ein separater Leistungsschalter, möglichst nah an der Batteriebank und mit kurzem Kabelweg zur Ankerwinde, wird generell empfohlen; eine über ein langes, dünnes Kabel versorgte Ankerwinde bleibt unterdimensioniert, egal wie stark die Batteriebank ist.
Hydraulisch angetriebene Ankerwinden
Bei größeren Motoryachten wird die Ankerwinde mitunter statt elektrisch hydraulisch angetrieben; in diesem Aufbau beschränkt sich die Elektrik auf kleine Solenoide, die die Steuerventile ansteuern, während die eigentliche Leistung von der Hydraulikpumpe und der Druckleitung kommt. Hersteller wie Lofrans' führen in ihrem Katalog sowohl elektrische als auch hydraulisch angetriebene Modelle; bei hydraulischen Typen liegt die Ursache für "Ankerwinde funktioniert nicht" häufig nicht auf der elektrischen Seite, sondern an der Hydraulikpumpe selbst, im Ventilblock oder am zu niedrigen Ölstand. In diesem Fall sollte die Prüfung im Rahmen unseres Hydrauliksystem-Service erweitert werden.
Fußschalter und Steuerverkabelung
Fußschalter an Deck sind Wasser, Sonne und ständigem Betreten ausgesetzt; ihre Dichtungen können mit der Zeit verhärten und Wasser eindringen lassen, was zu oxidierten Kontakten oder einem dauerhaft geschlossenen Schalter führen kann, der die Ankerwinde ungewollt aktiviert. An allen Deckdurchführungen der Steuerleitung muss auf Wasserdichtigkeit an Anschlüssen und Steckern geachtet werden. Funktioniert die Steuerung im Steuerstand nicht, während die Fußschalter an Deck funktionieren, liegt der Fehler höchstwahrscheinlich am Schalter im Steuerstand oder an der zugehörigen Verkabelung, nicht am allgemeinen Leistungskreis.
Wartungscheckliste für die Ankerwinde
- Batteriepole, Hauptschalter und Ankerwindensicherung/-leistungsschalter prüfen.
- Beide Richtungen im Leerlauf testen (ohne Kette oder mit geringer Last).
- Solenoidkasten öffnen und Kontakte sowie Verbindungen prüfen.
- Fußschalter an Deck und Steuerung im Steuerstand getrennt testen.
- Erdungsverbindung am Motorgehäuse prüfen.
- Versorgungsspannung unter Last (beim Ankeraufholen) an den Motorklemmen messen.
- Passung von Kettennuss und Kette auf Verschleiß und Rutschen prüfen.
- Getriebeölstand und mögliche Leckagen prüfen.
- Kohlebürsten (bei bürstenbehafteten Motoren) bei Zugänglichkeit prüfen.
Ein Großteil davon lässt sich am selben Termin wie die allgemeine Checkliste zur Saisonvorbereitung erledigen.
Wann ist der Fachbetrieb nötig?
Sicherungs-, Klemmen- und Fußschalterkontrolle kann ein versierter Kapitän selbst übernehmen. Ein Fachbetrieb wird jedoch benötigt bei:
- erforderlichem Austausch von Solenoid oder Motor,
- Neuverkabelung oder Versetzen des Hauptleistungsschalters,
- Verdacht auf einen mechanischen Getriebedefekt (Zahnräder, Kupplung),
- Pumpen- oder Ventildefekten bei hydraulisch angetriebenen Ankerwinden; hier muss der Hydraulikkreis zusätzlich geprüft werden.
Bevor Sie den Service rufen, notieren Sie, in welcher Richtung die Ankerwinde ausfällt, welcher Schalter verwendet wurde und welches Symptom genau auftritt – das verkürzt die Fehlersuche erheblich. Allgemeine Grundsätze zu Kabelquerschnitt sowie Sicherungs- und Leistungsschalterauswahl finden Sie in der Standardliste der ABYC; sie sind besonders bei hochstromführenden Geräten wie einer Ankerwinde relevant.
Mit Aslan Yacht die Ankerwinde warten lassen
In Turgutreis D-Marin, Yalıkavak Palmarina, Milta Bodrum Marina und den Werften der Halbinsel Bodrum warten und diagnostizieren wir Ankerwindenmotoren, Solenoide und Steuerleitungen. Um Ihr Ankersystem vor Saisonbeginn prüfen zu lassen, kontaktieren Sie uns über unsere Kontaktseite; die Ankerwinde und zugehörige Leistungskreise decken wir im Rahmen unserer Yacht-Elektrikdienstleistungen ab.
Häufige Fragen
Die Ankerwinde macht gar kein Geräusch, obwohl die Batterie voll geladen ist. Woran kann das liegen?
Prüfen Sie zuerst den Hauptleistungsschalter und die Sicherung. Sind diese in Ordnung, kommt als Nächstes das Solenoid (Schütz): Hören Sie ein Klicken, dreht sich der Motor aber nicht, liegt der Fehler vermutlich am Motor oder Motorkabel; hören Sie gar kein Klicken, liegt der Fehler in der Steuerleitung oder am Solenoid selbst.
Die Ankerwinde läuft nur in eine Richtung (rauf oder runter), nicht in die andere. Was tun?
Dieses Symptom deutet fast immer auf ein defektes Solenoid oder ein gebrochenes Kabel zum entsprechenden Fußschalter bzw. zur Steuerleitung hin; der Motor selbst ist meist intakt, da beide Richtungen denselben Motor lediglich mit umgekehrter Polarität ansteuern.
Die Ankerwinde wird unter Last langsamer oder bleibt stehen, läuft im Leerlauf aber normal. Kann das normal sein?
Ein Nachlassen unter Last liegt meist an zu niedriger Versorgungsspannung, einem überhitzten Motor, verschlissenen Kohlebürsten oder einer Kettennuss (Gypsy), die nicht sauber in die Kette greift. Auch ein zu dünnes Kabel führt unter Last zu erheblichem Spannungsabfall.





