Elektronik

Kartenplotter und MFD auswählen: Display, Seekarten und Netzwerk

Vor dem Kauf eines neuen Kartenplotters oder MFD lohnt der Blick auf das ganze System statt nur auf das Display. Display, Karten, Netzwerk und Einbau aus Sicht eines Bootselektrikers.

Steuerstand mit Motorbedienung und Navigations-Bedienpanels
Steuerstand mit Motorbedienung und Navigations-Bedienpanels

Die Wahl von Kartenplotter und MFD treffen viele Eigner nach Bildschirmgröße und Preis. Entscheidend ist jedoch, wie das Gerät mit Radar, Autopilot, AIS und Motordaten an Bord als System zusammenarbeitet. Ein falsch gewähltes MFD kann bedeuten, dass nach wenigen Saisons ein eigentlich einwandfreies Radar oder ein Autopilot ersetzt werden muss. In diesem Ratgeber erklären wir, auf welche Kriterien wir beim Refit der Steuerstandselektronik achten – und welche Fehler wir in der Praxis immer wieder sehen.

Kartenplotter oder MFD?

Ein klassischer Kartenplotter zeigt die Position eines internen oder externen GPS-Empfängers auf der elektronischen Seekarte und verwaltet Routen und Wegpunkte. Ein MFD (Multifunktionsdisplay) bündelt Karte, Radar, Sonar, AIS-Ziele, Autopilotbedienung, Motor- und Tankdaten und sogar Kamerabilder auf einem Bildschirm.

Fast alle Geräte auf dem Markt sind heute MFDs. Die eigentliche Frage lautet daher nicht „welches Display", sondern „welches Ökosystem". Radarantenne, Autopilotrechner und Sonarmodul werden bei den meisten Herstellern über ein eigenes Ethernet-Protokoll angebunden. Mit der Wahl des MFD legen Sie also die Elektronikarchitektur der nächsten 8–10 Jahre fest.

Das Display: Größe, Helligkeit und Bedienung

Größe und Ablesedistanz

Wählen Sie das Display nach dem Abstand zwischen Rudergänger und Bildschirm, nicht nach der Bootslänge. Ein Gerät in 1,2–1,5 m Entfernung auf der Flybridge wirkt deutlich kleiner als dasselbe Gerät am Innensteuerstand. Wer mit geteiltem Bildschirm (etwa Karte plus Radar) arbeitet, fährt mit einer Nummer größer meist besser.

EinsatzTypisches DisplayHinweis
Kleine Segelyacht, Radsteuerung im Cockpit7–9"Neben dem Rad, ohne die Beine des Rudergängers zu stören
Segel- / Motoryacht 10–14 m9–12"12" ist für Splitscreen komfortabel
Motoryacht 14–20 m, Innensteuerstand12–16"Häufig zwei Displays
Flybridge und größere Yachten16–24" oder mehrere DisplaysSynchronisiert über das Netzwerk

Ablesbarkeit bei Sonne

Auf einer offenen Flybridge unter der Ägäissonne braucht es hohe Helligkeit (die meisten Hersteller nennen 1000 Nits oder mehr), ein optisch verklebtes Panel und ein IPS-Display, das auch mit polarisierter Sonnenbrille lesbar bleibt. Ein Modell, das im geschlossenen Steuerhaus mehr als ausreicht, kann im offenen Cockpit an seine Grenzen stoßen.

Touchscreen oder Tasten?

Ein Touchscreen ist im Hafen angenehm. Bei Seegang, mit nassen Händen oder Handschuhen sind Tasten oder ein Drehknopf jedoch deutlich zuverlässiger. Am besten sind Hybridgeräte mit Touch und physischen Tasten oder eine separate Fernbedienung.

Ein großes oder zwei mittlere Displays?

Ein einzelnes 16"-Display wirkt eindrucksvoller als zwei 9–12"-Geräte. Fällt es aber aus, verlieren Sie alle Navigationsinformationen auf einen Schlag. Bei zwei Displays zeigt eines Karte und AIS, das andere Radar oder Motordaten – und jedes kann bei einem Ausfall alle Funktionen übernehmen. Auf Yachten mit langen Überfahrten und stark genutzten Booten wie Charter-Gulets ist diese Redundanz mehr wert als Bildschirmgröße. Beim zweiten Display sollte auch die Routen- und Datensynchronisation zwischen Flybridge und Innensteuerstand geprüft werden.

Kartenformate und Updates

Welche elektronischen Seekarten ein MFD lesen kann, wird bei der Auswahl am häufigsten übersehen. Navionics, C-MAP und die herstellereigenen Kartensätze werden je nach Gerät unterschiedlich unterstützt. Grundlage sind jeweils Daten hydrographischer Dienste und Standards der IHO; die Unterschiede liegen in Detailebenen, Update-Häufigkeit und Bedienoberfläche.

Prüfen Sie bei der Auswahl:

  • Ist Ihr Revier (Ägäis, griechische Inseln, östliches Mittelmeer) in diesem Format verfügbar?
  • Erfolgen Updates per Abonnement oder durch Kartentausch?
  • Gibt es eine hochauflösende Bathymetrie-Ebene für flache, felsige Gebiete wie die Buchten um Bodrum?

Denken Sie daran: Keine elektronische Karte zeigt jeden Felsen. Gerade in den Buchten um Gümüşlük und Yalıkavak gehört das Echolot immer mit zur Kartenlektüre.

Prüfen Sie vor dem Kauf einer Kartenkarte auch die Softwareversion des MFD. Neue Kartengenerationen werden auf lange nicht aktualisierten Geräten mitunter nicht gelesen. Manche Hersteller synchronisieren Karten zudem über eine Smartphone-App; dann muss an Bord während des Updates WLAN oder mobiles Internet verfügbar sein.

Netzwerk: NMEA 2000, Ethernet und NMEA 0183

Seinen eigentlichen Wert gewinnt ein MFD durch das Netzwerk, in dem es arbeitet. Drei Verbindungsarten sind zu unterscheiden:

  • NMEA 2000: das Standard-Backbone, über das Position, Kurs, Tiefe, Wind, Motordaten und AIS markenübergreifend geteilt werden. Für eine saubere Installation lesen Sie unseren Beitrag zu Aufbau und Fehlersuche im NMEA-2000-Netzwerk: je ein 120-Ω-Abschlusswiderstand an beiden Enden, Stichleitungen von höchstens 6 m und eine Backbone-Einspeisung an der richtigen Stelle sind die Grundregeln. Träger des Standards ist die NMEA.
  • Ethernet (herstellereigen): Radarbild, Sonar und Mehrfachdisplays benötigen hohe Bandbreite und funktionieren meist nur innerhalb einer Marke.
  • NMEA 0183: wird von älteren Geräten und einigen UKW-/AIS-Einheiten noch genutzt. Standard sind 4800 Baud, für AIS 38400 Baud; eine falsche Baudrate ist die häufigste Ursache für „keine Daten".

Wenn Sie auch Radar und Autopilot erneuern, helfen Ihnen unsere Beiträge zur Installation eines Bootsradars und zur Kalibrierung des Autopiloten, die Komponenten im richtigen Ökosystem zu halten.

Einbau: Stromversorgung, Position und GPS

Ein gutes MFD wird durch schlechten Einbau zum Problemgerät. Diese Punkte korrigieren wir am häufigsten:

  1. Stromversorgung: Jedes MFD wird vom Verteiler über einen eigenen abgesicherten Stromkreis mit dem vom Hersteller angegebenen Sicherungswert versorgt. Ein Spannungsfall von höchstens 3 % in Elektronikkreisen ist gute Praxis; fällt ein 12-V-System beim Motorstart unter 10 V, kann das Display neu starten.
  2. Einbauort: Hinter dem Display muss Luft zirkulieren können, es darf nicht in einem geschlossenen, sonnenbeschienenen Kasten überhitzen. Der Kompass-Sicherheitsabstand steht auf dem Typenschild und ist einzuhalten.
  3. GPS-Antenne: Ein internes GPS kann im geschlossenen Steuerhaus oder unter einem Hardtop aus Carbon oder Metall schwach sein. Eine externe GPS-Antenne mit freier Sicht zum Himmel verhindert Positionssprünge.
  4. Kabelführung: Hinter dem Gerät Platz für den Biegeradius lassen, Stecker aus Tropfwegen heraushalten und überschüssige Kabellänge ordentlich verlegen, ohne sie aufzurollen.
  5. Software: Nach dem Einbau alle Geräte auf denselben Softwarestand bringen; inkompatible Firmware im Netzwerk führt zu stillen Datenverlusten.

Checkliste vor dem Kauf

  • Kompatibilität mit vorhandenem Radar, Autopilot und Sonar geprüft?
  • Displaygröße nach Abstand zum Rudergänger gewählt?
  • Bei Außeneinsatz: Helligkeit und Lesbarkeit mit polarisierter Brille ausreichend?
  • Ist Ihr Revier im gewählten Kartenformat verfügbar?
  • Kann das NMEA-2000-Backbone das neue Gerät aufnehmen (Abschlusswiderstände, Einspeisung, freies T-Stück)?
  • Passt der Konsolenausschnitt zum alten Display oder ist eine Adapterplatte nötig?
  • Ist eine Backup-Navigation geplant (zweites Display, Tablet oder Papierkarte)?

Der Konsolenausschnitt beeinflusst die Refit-Kosten erheblich. Ein Modell, das in die alte Öffnung passt, oder eine Adapterplatte kann GFK- und Gelcoat-Arbeiten ganz ersparen. Auf Motoryachten planen wir das gemeinsam mit dem gesamten Elektrikprojekt für Motoryachten.

Mit Aslan Yacht zur passenden Steuerstandselektronik

Unser Team in Turgutreis tauscht Kartenplotter und MFDs, plant NMEA-2000-Netzwerke und integriert Radar und Autopiloten in den Marinas und Werften der Halbinsel Bodrum. Wir prüfen Ihr bestehendes System an Bord und geben Ihnen eine klare Liste, was bleiben kann und was ersetzt werden sollte. Informieren Sie sich über unseren Service für Elektronik und Navigation oder nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kartenplotter und MFD?

Ein Kartenplotter zeigt im Kern die GPS-Position auf einer elektronischen Seekarte. Ein MFD (Multifunktionsdisplay) vereint Karte, Radar, Sonar, AIS, Autopilotbedienung, Motordaten und Kameras auf einem Bildschirm; die meisten heute verkauften Geräte sind eigentlich MFDs.

Kann ich Radar oder Autopilot einer anderen Marke an mein neues MFD anschließen?

Grunddaten wie Position, Kurs, Tiefe, Wind und AIS lassen sich markenübergreifend über NMEA 2000 teilen. Radarbild und volle Autopilotsteuerung benötigen meist die herstellereigene Ethernet-Verbindung, deshalb stammen diese Komponenten in der Regel von derselben Marke.

Muss ich meine alten NMEA-0183-Geräte entsorgen?

Nein. Die meisten MFDs haben noch einen NMEA-0183-Eingang, oder ältere Geräte werden über ein Gateway von NMEA 0183 auf NMEA 2000 eingebunden. Baudrate (4800 bzw. 38400 für AIS) und Datensätze müssen dabei korrekt eingestellt sein.

Quellen

  • #Kartenplotter
  • #MFD
  • #Navigation
  • #NMEA 2000
  • #Bordelektronik

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