
AIS Class A und Class B: Unterschiede und Installationsleitfaden
AIS zeigt bei Nacht- und Nebelfahrten Identität und Kurs naher Schiffe. Wir erklären den Unterschied zwischen Class A und Class B und die korrekte Installation.

AIS (Automatic Identification System) überträgt Identität, Position, Geschwindigkeit und Kurs naher Schiffe in Echtzeit über VHF-Frequenzen. Bei Nebel, Nachtfahrt oder dichtem Verkehr verringert das Wissen, zu welchem Schiff ein Radarecho gehört, wohin es unterwegs ist und mit welcher Geschwindigkeit, das Kollisionsrisiko erheblich. Dieser Leitfaden behandelt die Funktionsweise von AIS, die Unterschiede zwischen Class-A- und Class-B-Transpondern sowie die korrekten Installationsschritte.
Wie funktioniert AIS?
AIS-Geräte senden GPS-Position und Schiffsdaten (Name, MMSI, Länge, Typ, Geschwindigkeit, Kurs) in festgelegten Intervallen auf VHF-Frequenzen; andere AIS-Geräte, die dieselben Frequenzen abhören, empfangen diese Daten und zeigen sie als Ziel auf Chartplotter oder Radarbildschirm an. Um Kollisionen zwischen Sendungen zu vermeiden, nutzt das System SOTDMA (Self-Organizing Time Division Multiple Access), ein Zeitmultiplexverfahren, bei dem jedes Gerät in seinem eigenen zugewiesenen Zeitschlitz sendet.
Die Sendehäufigkeit hängt von Geschwindigkeit und Manöverzustand des Schiffes ab: Ein schnelles, wendendes Schiff sendet mehrmals pro Sekunde, ein ankerndes Boot dagegen nur alle paar Minuten. Diese dynamische Sendehäufigkeit sorgt für eine effiziente Nutzung der begrenzten Frequenzkapazität.
AIS arbeitet zudem gleichzeitig auf zwei getrennten VHF-Kanälen (AIS 1 und AIS 2), sodass eine vorübergehende Störung oder Überlastung auf einem Kanal den Datenstrom nicht unterbricht. Man kann sich das System weniger als reinen Sender-Empfänger vorstellen, sondern eher als "digitalen Ausguck": Es meldet die Identität eines fernen Ziels, das das menschliche Auge am Horizont noch nicht auflösen kann, selbst während man sich im Steuerstand befindet.
Class A im Vergleich zu Class B
AIS-Transponder gliedern sich in zwei Hauptklassen:
| Merkmal | Class A | Class B |
|---|---|---|
| Pflicht | Für SOLAS-pflichtige Handelsschiffe vorgeschrieben | In der Regel optional, für private Boote |
| Sendeleistung | 12,5 W | Typischerweise 2 W (manche SO-Varianten bis 5 W) |
| Sendehäufigkeit | Sekundenbereich, geschwindigkeitsabhängig | Seltener als Class A (typisch 30 Sekunden bis mehrere Minuten) |
| Übertragene Daten | Umfangreiche statische und Fahrtdaten, Zielhafen, Tiefgang | Grundlegende Identitäts- und Positionsdaten; manche Modelle mit erweiterten Daten |
| Anzeige-/Integrationspflicht | Eigenständige Anzeige oder MFD-Integration vorgeschrieben | Meist über MFD oder Chartplotter angezeigt |
| Typische Kosten | Hoch | Deutlich niedriger als Class A |
Für private Yachten und Boote reicht meist Class B aus: sowohl Gerätekosten als auch Installationsaufwand sind niedriger als bei Class A. In Gebieten mit dichtem Handelsschiffsverkehr können leistungsstärkere "Class B/SO"-Varianten (SOTDMA) sinnvoll sein, die häufiger senden und auf den Class-A-Empfängern großer Schiffe näher an der Priorität von Class-A-Zielen erscheinen.
Installation: Antenne, Splitter und MMSI
Bei der AIS-Installation sind folgende Schritte zu beachten:
- Antennenwahl: Eine eigene VHF-Antenne liefert die beste Leistung. Wer die vorhandene VHF-Antenne mitnutzen möchte, kann einen AIS/VHF-Splitter einsetzen, der den AIS-Empfang kurzzeitig priorisiert, während das VHF-Funkgerät sendet.
- GPS-Quelle: Die meisten AIS-Geräte verfügen über eine eingebaute GPS-Antenne; bei größeren Booten kann eine externe GPS-Antenne oder die gemeinsame Nutzung des vorhandenen GPS über NMEA 2000 sinnvoller sein.
- NMEA-Anbindung: Das AIS-Gerät überträgt Zieldaten über NMEA 2000 oder NMEA 0183 an den Chartplotter. Ist eine Umsetzung zwischen beiden Protokollen nötig, wird ein geeignetes Gateway benötigt; dieses Thema behandeln wir ausführlich in unserem Leitfaden zur NMEA-2000-Netzwerkinstallation.
- MMSI-Eintragung: Die MMSI-Nummer des Bootes wird ins Gerät eingegeben; verfügt das VHF-Funkgerät über DSC, muss dieselbe Nummer auch dort hinterlegt sein. Siehe dazu unseren Leitfaden zu VHF-Funk- und Antenneninstallation.
- Eingabe der statischen Daten: Schiffsname, Länge und Typ werden einmalig eingegeben und müssen nur bei Änderung erneut angepasst werden.
- Test: Nach der Installation prüfen, ob die eigenen Schiffsdaten auf einem anderen AIS-Empfänger sichtbar sind - im Hafenbüro, auf einem anderen Boot oder über Online-AIS-Tracking-Seiten.
AIS zusammen mit Radar und Chartplotter nutzen
AIS allein ist keine vollständige Kollisionsvermeidungslösung - kleine Boote, Fischerboote und manche Bojen senden kein AIS. Deshalb sollte es zusammen mit dem in unserem Leitfaden zur Radarinstallation beschriebenen Radarsystem betrachtet werden: Radar zeigt jedes Objekt, das ein Echo liefert, während AIS Identität und Absicht (Kurs, Geschwindigkeit) dieses Objekts ergänzt. Die meisten modernen Chartplotter und MFDs blenden AIS-Ziele über das Radarbild und liefern so ein integriertes Lagebild auf einem Bildschirm.
Bei langen Passagen mit aktiviertem Autopiloten sind AIS-Alarme besonders wertvoll, um herannahenden Verkehr rechtzeitig zu erkennen; auch diese Integration behandeln wir in unserem Leitfaden zu Autopilot-Störungen und Kalibrierung. Die AIS-Seite der IMO fasst die internationalen Ausrüstungspflichten und den technischen Hintergrund des Systems zusammen, während die AIS-Anforderungsseite des USCG Navigation Center eine praktische Referenz dafür ist, welcher Schiffstyp welche Klasse benötigt.
Häufige Probleme
- Eigene Schiffsdaten sind für andere nicht sichtbar: Antennenanschluss, ein defekter Splitter oder eine nie eingegebene MMSI sind mögliche Ursachen.
- Ziele aktualisieren sich verzögert auf dem Bildschirm: Netzwerklast oder eine falsche Baudrate (bei NMEA-0183-Verbindungen) können den Datenstrom verlangsamen.
- Manche Schiffe erscheinen nicht: Kleine Boote ohne AIS bleiben zwangsläufig unsichtbar; ein nicht sichtbares großes Schiff deutet eher auf Antennenabschattung oder VHF-Empfangsbedingungen hin.
- DSC- und AIS-MMSI stimmen nicht überein: Sind für dasselbe Boot unterschiedliche Nummern eingetragen, kann das bei Notrufen zu Verwirrung führen; prüfen, ob in beiden Geräten dieselbe MMSI hinterlegt ist.
Wartung und Einwinterung nach der Installation
AIS-Geräte sind in der Regel wartungsarme Elektronik, doch Antenne und Steckverbinder sind der Meeresumgebung ausgesetzt. Korrosion oder Feuchtigkeit an den Antennenkabelverbindungen können Empfangs-/Sendeleistung mit der Zeit verringern; eine jährliche Sichtkontrolle und Korrosionsschutz an den Steckern lohnen sich daher. Bei Installationen mit Splitter sollte gelegentlich geprüft werden, ob dieser den AIS-Empfang während der VHF-Sendung noch korrekt priorisiert - ein alter oder defekter Splitter kann sowohl VHF- als auch AIS-Leistung verschlechtern.
Es lohnt sich, AIS in die Saisonend-Überprüfung des gesamten elektrischen und elektronischen Bordsystems einzubeziehen; die ausführlichen Schritte finden Sie in unserem Einwinterungsleitfaden. Zur Saisoneröffnung gehört es zu den allgemeinen elektronischen Kontrollen aus unserer Saisoneröffnungs-Checkliste, zu prüfen, ob MMSI und statische Daten (Schiffsname, Länge, Typ) noch korrekt sind, die Software aktuell ist und die Schiffsdaten tatsächlich gesendet werden.
AIS-Installation mit Aslan Yacht
Unser Team in Turgutreis übernimmt Class-B-AIS-Installation, VHF-Antennen-/Splitter-Integration und MMSI-Programmierung durchgängig in den Marinas rund um Bodrum. Details finden Sie in unseren Elektronik- und Navigationsdienstleistungen oder nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
Häufige Fragen
Braucht eine Yacht Class A oder Class B?
Class A ist für SOLAS-pflichtige Handelsschiffe vorgeschrieben. Für private Yachten und Boote reicht in der Regel Class B, das zudem deutlich günstiger ist; wer in dichtem Handelsschiffsverkehr besser sichtbar sein möchte, kann leistungsstärkere Class-B/SO-Varianten in Betracht ziehen.
Braucht AIS eine eigene Antenne oder kann die vorhandene VHF-Antenne mitgenutzt werden?
Mit einem VHF-Splitter lässt sich die vorhandene VHF-Antenne für AIS mitnutzen, was jedoch einen geringen Signalverlust verursacht. Für Boote mit intensiver VHF-Nutzung oder maximaler Leistung empfiehlt sich eine eigene AIS-Antenne.
Wie erhält man eine MMSI-Nummer?
In der Türkei wird die MMSI im Rahmen der Bootsregistrierung über die zuständige Seefahrtsbehörde vergeben. Nach Erhalt muss dieselbe Nummer sowohl im AIS-Gerät als auch in einem eventuell vorhandenen DSC-fähigen VHF-Funkgerät eingetragen werden; unterschiedliche Nummern führen zu Verwirrung zwischen den Systemen.

