
Yacht einwintern: die Bordelektrik richtig auf den Winter vorbereiten
Im Winter sind nicht Kälte, sondern Selbstentladung, Feuchtigkeit und vergessene kleine Verbraucher die eigentlichen Feinde von Batterien, Kabeln und Elektronik. So bereiten Sie die Bordelektrik vor.

Beim Einwintern denken die meisten Eigner zuerst an Motor und Frischwassersystem – dabei braucht die Bordelektrik einer Yacht im Winter mindestens genauso viel Aufmerksamkeit. Eine Batteriebank, die sich über Monate selbst entlädt, ein unbemerkter Ruhestromverbraucher oder ein durch Feuchtigkeit oxidierter Stecker können den Frühling zu einem teuren Neustart machen. In diesem Leitfaden zeigen wir die Reihenfolge, der wir beim Einwintern der Elektrik folgen, und worauf wir achten.
Winter in Bodrum: im Wasser oder an Land?
Auf der Halbinsel Bodrum verbringen viele Yachten den Winter im Wasser in der Marina, andere werden auf einer Werft an Land gestellt. Elektrisch haben beide Szenarien unterschiedliche Anforderungen:
- Winterlager im Wasser: Bilgepumpen müssen betriebsbereit bleiben, der Landstromanschluss muss sicher sein und der galvanische Schutz aktiv bleiben. Denken Sie daran, dass bei Südstürmen (Lodos) nicht nur Festmacher und Fender, sondern auch Kabel und Stecker belastet werden.
- Winterlager an Land: Landstrom fehlt oft oder ist begrenzt. Die Batteriebank muss vollständig von Verbrauchern getrennt und so hinterlassen werden, dass sie monatelang allein auskommt.
In beiden Fällen ist der gemeinsame Feind weniger die Kälte als Feuchtigkeit und Langzeitentladung. Die hohe relative Luftfeuchte im ägäischen Winter beschleunigt in einem geschlossenen Boot die Oxidation von Klemmen, Sicherungshaltern und Steckverbindern.
Batteriebank: Lagerung je nach Chemie
Wie Batterien überwintern sollten, hängt von ihrer Chemie ab. Die Tabelle fasst unseren allgemeinen Ansatz zusammen; maßgeblich sind immer die Werte des Batterieherstellers.
| Batterietyp | Ladezustand zur Lagerung | Mit Ladegerät | Ohne Ladegerät |
|---|---|---|---|
| Nasse Blei-Säure | 100 % | Erhaltungs- oder Lagermodus (bei 12 V etwa 13,2–13,5 V) | Monatliche Spannungskontrolle, nachladen bevor 12,4 V unterschritten werden |
| AGM / Gel | 100 % | Erhaltungs-/Lagerwert des Herstellers | Kontrolle und Nachladen alle 1–2 Monate |
| LiFePO4 | Etwa 50–60 % | Lithium-Profil; wenn möglich Lagereinstellung | Von Verbrauchern trennen, Eigenverbrauch des BMS einrechnen |
Blei-Säure-Batterien sulfatieren, wenn sie teilgeladen stehen, und der Kapazitätsverlust wird dauerhaft – sie sollten daher voll bleiben. LiFePO4-Batterien mögen dagegen keine langen Standzeiten bei 100 % und altern bei mittlerem Ladezustand besser. Mehr zu Batterietypen und Pflege lesen Sie in unserem Beitrag zur Pflege von Bootsbatterien.
Bleibt ein Ladegerät den ganzen Winter angeschlossen, stellen Sie sicher, dass es tatsächlich in den Lagermodus wechseln kann. Wie die Ladegeräte von Victron Energy bieten viele moderne Geräte eine Lagerphase mit reduzierter Spannung für lange Standzeiten. Wenn Sie Installation und Einstellungen prüfen lassen möchten, ist unser Team mit Victron Energy-Produkten bestens vertraut.
Starterbatterien und getrennte Bänke
Motorstarterbatterien, Generatorbatterie und Bugstrahlruder-Bank werden oft getrennt von der Verbraucherbank geladen. Behandeln Sie beim Einwintern jede Bank einzeln: Prüfen Sie, ob alle Ladeausgänge angeschlossen sind und ob Batteriekoppler oder DC-DC-Lader im Standby unnötig Strom ziehen. Bänke, die lange ungenutzt bleiben, trennt man am sichersten vollständig über ihre Batteriehauptschalter.
Ruheströme finden und trennen
Auch bei „ausgeschaltetem“ Hauptschalter hängen manche Geräte direkt an den Batterien: der Automatikkreis der Bilgepumpe, Alarmanlagen, Fernüberwachungsmodule, manche Laderegler und Batteriemonitore. Einige davon werden gebraucht, andere nicht.
Um den gesamten Ruhestrom zu messen, lösen Sie den Minuspol der Batterie und schalten ein Multimeter im Milliampere-Bereich dazwischen, oder Sie verwenden eine empfindliche DC-Stromzange. Einige zehn Milliampere wirken zunächst vernachlässigbar – doch eine Dauerlast von 40 mA summiert sich in 120 Tagen auf rund 115 Ah und entlädt eine mittelgroße Verbraucherbank erheblich.
Ist ein Batteriemonitor verbaut, lässt sich der Ladezustand darüber im Winter am einfachsten verfolgen. Shunt-basierte Geräte wie die Batteriemonitore von Victron messen auch kleine Ströme genau und zeigen die tatsächliche Wirkung eines Ruhestroms. Wer das Boot aus der Ferne überwachen möchte, kann zudem auf GSM- oder WLAN-basierte Systeme zurückgreifen.
Die einzige Ausnahme beim Trennen von Verbrauchern ist das Bilgesystem. Der Automatikkreis der Bilgepumpe muss direkt von der Batterieseite, vor dem Hauptschalter und mit eigener Sicherung gespeist werden; heben Sie den Schwimmerschalter von Hand an, um zu sehen, dass die Pumpe wirklich läuft. Zu Pumpe, Schwimmerschalter und Alarm lesen Sie mehr in unserem Beitrag über Bilgepumpen und Alarmsysteme. Am meisten leiden im Winter oft die Boote, deren Batterie leer und deren Bilgepumpe stehen geblieben ist.
Landstrom und galvanischer Schutz
Boote, die im Wasser überwintern, hängen meist ununterbrochen am Landstrom. Dann gilt:
- Kabel und Stecker prüfen; bei geschwärzten Stiften oder Schmelzspuren ersetzen.
- Eingangsschutzschalter und Fehlerstromschutz mit der Prüftaste testen.
- Ohne galvanischen Trenner oder Trenntransformator ist damit zu rechnen, dass Anoden im Winter schneller verbraucht werden. Details dazu in unserem Beitrag über galvanische Korrosion und Trenntransformatoren.
- Unbeaufsichtigte Heizlüfter und zusätzliche Verlängerungskabel vermeiden; ein Luftentfeuchter sollte an einer festen, abgesicherten Steckdose hängen und das Kondensat in einen Abfluss statt in die Bilge leiten.
Hinweise zu einzelnen Anlagen
Watermaker: Bei längerer Standzeit muss die Membran gespült und nach Herstellervorgabe mit Konservierungslösung eingelagert werden. Bei Leo Mare Watermakern erledigen wir das regelmäßig in unserer Werkstatt; die Schritte beschreiben wir im Beitrag über Membranpflege und Konservierung.
Dieselheizung: Diesel-Kabinenheizungen auch außerhalb der Saison einmal im Monat kurz laufen zu lassen, hält Dosierpumpe und Brenner gesund.
Elektronik: Cockpit-Displays mit ihren Abdeckungen schützen, abnehmbare Geräte trocken lagern. Decksstecker mit Kontaktreiniger säubern und mit geeignetem Schutzmittel versiegeln.
Ankerwinde, Bugstrahlruder und Generator: Hochstromklemmen prüfen, Oxidation entfernen. Die Starterbatterie des Generators nach derselben Logik wie die Verbraucherbank lagern.
Klimaanlage und Seewasserpumpen: Den Seewasserkreis nicht genutzter Klimageräte mit Süßwasser spülen und die Pumpensicherungen ausschalten. Bei Booten im Wasser prüfen, dass die Seeventile geschlossen sind und kein Automatikkreis eine Pumpe trocken laufen lassen könnte.
Beleuchtung und Decksausrüstung: Kabeleinführungen von Positionslaternen, Unterwasserleuchten und Decksstrahlern sichtprüfen. Eine Leuchte mit beschädigter Dichtung oder Kabelverschraubung kann über den Winter Wasser ziehen und im Frühjahr einen Kurzschluss verursachen. Solche Reparaturen erledigt man am besten im Winter, wenn wenig los ist.
Einwintern Schritt für Schritt
- Alle Verbraucher ausschalten; Kühlschrank und Gefriertruhe leeren und die Türen einen Spalt offen lassen.
- Jede Batteriebank auf den zur Chemie passenden Ladezustand bringen.
- Ruhestrom messen und unnötige Verbraucher trennen.
- Prüfen, dass der Automatikkreis der Bilgepumpe direkt an der Batterieseite hängt und funktioniert.
- Bleibt Landstrom angeschlossen: Kabel, Stecker, Schutzschalter und Fehlerstromschutz kontrollieren.
- Watermaker konservieren, Heizung und Generator in den Winterwartungsplan aufnehmen.
- Decksstecker und offen liegende Klemmen reinigen und schützen.
- Arbeiten und Messwerte notieren – das erleichtert den Frühling erheblich.
Einwintern und Frühjahrsvorbereitung mit Aslan Yacht
Unser Team aus Turgutreis bereitet die Bordelektrik Ihrer Yacht in den Marinas und Werften rund um Bodrum auf den Winter vor und plant Batterie- und Landstromkontrollen während der Saisonpause. Im Frühjahr nehmen wir das Boot mit unserer Elektrik-Checkliste zum Saisonstart wieder in Betrieb. Mehr auf unserer Seite Energie- und Batteriesysteme – oder nehmen Sie Kontakt auf.
Häufige Fragen
Müssen die Batterien im Winter ausgebaut werden?
Das Klima in Bodrum ist in der Regel nicht kalt genug, um Batterien einfrieren zu lassen; ein Ausbau ist daher selten nötig. Entscheidend ist, dass jede Batterie im richtigen Ladezustand gehalten und von Ruhestromverbrauchern getrennt wird.
Sollte eine Lithiumbatterie über den Winter voll geladen bleiben?
LiFePO4-Batterien werden für längere Lagerung meist bei etwa 50–60 % Ladezustand gehalten; den genauen Wert nennt der Batteriehersteller. Bleibt ein Ladegerät angeschlossen, prüfen Sie Lithium-Ladeprofil und Lagereinstellungen.
Ist es sicher, das Boot im Winter am Landstrom zu lassen?
Ja, wenn Kabel, Stecker und Eingangsschutzschalter in gutem Zustand sind, das Ladegerät im Lagermodus arbeitet und ein galvanischer Trenner oder Trenntransformator verbaut ist. Unbeaufsichtigte Heizlüfter und Verlängerungskabel sind dagegen ein Risiko.


