Energie

Täglichen Energieverbrauch (Ah) an Bord richtig berechnen

Batteriebank, Solaranlage und Wechselrichter hängen alle an einer Zahl: dem täglichen Amperestundenverbrauch Ihres Bootes. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie ihn realistisch ermitteln.

Einbau der Verbraucherbatterien auf einer Yacht
Einbau der Verbraucherbatterien auf einer Yacht

Den täglichen Energieverbrauch an Bord in Amperestunden (Ah) zu berechnen, ist der Ausgangspunkt für alle Entscheidungen zu Batteriebank, Solarmodulen, Lichtmaschine und Wechselrichter. Eine Batteriebank, die ohne diese Zahl gewählt wird, ist entweder in der zweiten Nacht vor Anker leer oder fährt als unnötiges Gewicht und unnötige Kosten mit. In diesem Leitfaden rechnen wir Schritt für Schritt und dimensionieren Batterie- und Ladekapazität anhand einer realistischen Beispieltabelle.

Grundbegriffe: A, Ah, W und Wh

  • Strom (A): der Strom, den ein Gerät in einem Moment aufnimmt.
  • Amperestunden (Ah): Strom × Zeit. Ein Gerät mit 5 A verbraucht in 3 Stunden 15 Ah.
  • Leistung (W): Spannung × Strom. 5 A bei 12 V sind 60 W.
  • Wattstunden (Wh): Leistung × Zeit. Die genaueste Vergleichsgröße, wenn verschiedene Spannungen gemischt sind.

Die Umrechnung ist einfach: Ah = Wh / V. In einer 12-V-Bank entsprechen 1200 Wh etwa 100 Ah; dieselbe Energie sind in einer 24-V-Bank etwa 50 Ah. Deshalb dürfen Ah-Werte nie ohne Angabe der Systemspannung verglichen werden.

AC-Geräte am Wechselrichter

Werden 230-V-Geräte über einen Wechselrichter aus der Batteriebank versorgt, müssen die Umwandlungsverluste berücksichtigt werden. Der Wirkungsgrad liegt je nach Last meist bei 85–93 %. Die Rechnung lautet: DC-Strom = AC-Leistung / (Batteriespannung × Wirkungsgrad). Eine Mikrowelle mit 1000 W zieht an einer 12,5-V-Bank bei 88 % Wirkungsgrad etwa 91 A. Zudem hat ein Wechselrichter auch ohne Last einen Leerlaufverbrauch von einigen Watt; ein über Nacht eingeschalteter Wechselrichter ist im Tagesbudget ein spürbarer Posten. Zur Auswahl lesen Sie unseren Leitfaden zu Wechselrichtern und Ladegeräten.

Die Methode Schritt für Schritt

  1. Alle Verbraucher auflisten: Beleuchtung, Kühlschrank, Pumpen, Navigationselektronik, Autopilot, Kommunikation, geladene persönliche Geräte und AC-Geräte am Wechselrichter.
  2. Strom jedes Geräts ermitteln: Wo möglich Messwerte statt Typenschild verwenden. Gerät ein- und ausschalten und dabei Zangenamperemeter oder Batteriemonitor beobachten ist eine praktische Methode.
  3. Tägliche Laufzeit realistisch schätzen: Bei intermittierenden Geräten wie Kühlschrank und Pumpen die Einschaltdauer berücksichtigen.
  4. Nach Szenario trennen: Vor Anker, unterwegs und in der Marina ist das Verbrauchsprofil verschieden. Das anspruchsvollste Szenario sind meist Tage vor Anker ohne Landstrom.
  5. Summieren und Reserve aufschlagen: Bei geschätzten Werten 15–25 % Sicherheitsreserve hinzufügen.

Beispieltabelle: 12-V-Segelyacht, ein Tag vor Anker plus 4 Stunden Fahrt

Die folgende Tabelle ist eine Beispielrechnung für eine 12-V-Segelyacht, die im Ägäis-Sommer vor Anker liegt und täglich etwa 4 Stunden segelt. Die Werte sind typische Bereiche und sollten durch Messwerte Ihres eigenen Bootes ersetzt werden.

VerbraucherStrom (A)Zeit (h/Tag)Verbrauch (Ah/Tag)
Kompressorkühlschrank (Einschaltdauer ~40 %)59,648
Autopilot (unterwegs)4416
Navigationselektronik (MFD, Instrumente, AIS)3412
LED-Innenbeleuchtung2510
LED-Ankerlicht0,2102
Frischwasserpumpe60,53
Laden von Handy, Tablet, Laptop339
4G-Router0,82419
Mikrowelle (1000 W, über Wechselrichter)910,1514
Leerlaufverbrauch Wechselrichter0,843
Summe136
Mit 20 % Reserve (aufgerundet)≈ 165

Zwei Punkte fallen auf: Der Kühlschrank allein macht mehr als ein Drittel der Summe aus, und kleine Dauerverbraucher (wie der Router) konkurrieren am Ende des Tages mit den großen Verbrauchern. Wie sich die Profile von Motor- und Segelyacht unterscheiden, zeigen wir im Vergleich des elektrischen Bedarfs von Motor- und Segelyacht.

Vom Verbrauch zur Batteriebank

Steht der Tagesbedarf fest, wird die Batteriebank nach der gewünschten Anzahl Tage ohne Laden und der nutzbaren Kapazität des Batterietyps dimensioniert.

  • Blei-Säure / AGM / Gel: Mit Blick auf die Lebensdauer gelten meist etwa 50 % der Kapazität als nutzbar. Bei hohen Entladeströmen sinkt die nutzbare Kapazität unter den Nennwert (meist 20-stündige Entladung, C20).
  • LiFePO4: 80–90 % der Kapazität sind problemlos nutzbar, und die Spannung bleibt während der Entladung stabil. Bei 12,8-V-Lithium-Batterien liegt die Ladespannung typischerweise bei 14,2–14,4 V.

Im Beispiel sind für zwei Tage ohne Laden bei 165 Ah pro Tag etwa 330 Ah nutzbare Kapazität nötig. Das entspricht rund 660 Ah Nennkapazität bei Blei-Säure/AGM oder rund 410 Ah LiFePO4 bei 80 % Nutzung. Der Unterschied bei Gewicht und Volumen macht Lithium besonders auf Segelyachten attraktiv; unser Leitfaden zu Lithium-Batterien begleitet den Umstieg. Als technische Referenz zeigt die Seite Victron Lithium Battery Smart die Daten einer typischen Lithium-Baureihe.

Vom Verbrauch zur Ladekapazität

Die verbrauchte Energie muss jeden Tag zurück in die Bank. 165 Ah × 12,8 V ≈ 2,1 kWh pro Tag. Nimmt man im Ägäis-Sommer etwa 5 Volllaststunden Sonne pro Tag und einen Systemfaktor von 0,75 für Verschattung, Temperatur und Neigungsverluste an, ergibt sich die nötige Modulleistung:

2100 Wh / (5 h × 0,75) ≈ 560 W

Eine Solaranlage mit rund 550–600 W kann also im Sommer den Großteil des Verbrauchs dieses Bootes decken. Schatten von Mast, Baum und Segeln mindert den Ertrag auf Segelyachten deutlich, und im Frühjahr und Herbst sind die Sonnenstunden kürzer. Die Lücke schließen Lichtmaschine und Generator. Modulanordnung und MPPT-Wahl erläutern wir in unserer Anleitung zu Solarmodulen und MPPT.

Ein kurzes Motoryacht-Beispiel

Auf Motoryachten gilt dieselbe Methode mit größeren Zahlen. Eine Klimaanlage mit 1,5 kW, die über einen Wechselrichter aus einer 24-V-Bank läuft und 8 Stunden durcharbeitet, verbraucht 12 kWh. Bei 90 % Wechselrichter-Wirkungsgrad sind das etwa 520 Ah aus einer 25,6-V-Lithium-Bank. Deshalb müssen bei der Planung eines „stillen Ankerplatzes“ auf der Motoryacht Klimalaufzeiten, Bankkapazität und Lademöglichkeiten am nächsten Tag gemeinsam betrachtet werden.

Messen statt schätzen

Die Rechnung ist ein guter Anfang, doch der reale Verbrauch weicht oft von der Schätzung ab. Ein Batteriemonitor mit Shunt (etwa der Victron SmartShunt) zählt jede Amperestunde, die in die Batterie hinein- und aus ihr herausfließt, und zeigt nach wenigen Tagen das echte Profil. Wer den Plan mit diesen Daten prüft, vermeidet Über- und Unterinvestition. Die Überwachungslösungen im Ökosystem von Victron Energy machen diese Werte zudem langfristig sichtbar.

Energiebilanz mit Aslan Yacht erstellen

Unser Team in Turgutreis misst den Verbrauch Ihres Bootes vor Ort in den Marinas der Bodrum-Halbinsel, erstellt die Energiebilanz und plant Batterien, Solaranlage und Ladetechnik entsprechend. Details finden Sie bei unserem Service für Energie- und Batteriesysteme; für einen Messtermin nehmen Sie Kontakt auf.

Häufige Fragen

Soll ich mit Ah oder Wh rechnen?

In einem DC-System mit nur einer Spannung ist Ah praktisch. Wo 12-V-, 24-V- und 230-V-Geräte gemischt sind, verringert es Fehler, zuerst alles in Wh zu rechnen und dann durch die Spannung der Batteriebank zu teilen.

Zeigt die Leistungsangabe auf dem Typenschild den echten Verbrauch?

Meist nicht. Das Typenschild nennt oft den Maximalwert; Kühlschrank, Pumpen und Autopilot laufen intermittierend. Am zuverlässigsten misst man den echten Durchschnittsverbrauch mit einem Batteriemonitor mit Shunt.

Wie viel Sicherheitsreserve sollte ich einplanen?

Bei geschätzten Werten sind 15–25 Prozent sinnvoll. Mit Messdaten kann die Reserve kleiner ausfallen, für Batteriealterung und saisonale Schwankungen sollte aber immer etwas Puffer bleiben.

Quellen

  • #Energieverbrauch
  • #Amperestunden berechnen
  • #Batteriebank
  • #Solarmodule
  • #Energiebilanz

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